Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung

an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg e.V.


Lernen trägt Früchte

Lernen trägt Früchte

BASF-Werksbücherei wandelt sich zum Lernzentrum. Akademie bildet Lernberater aus.

„Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen“, meint BASF-Personalchef Hans-Carsten Hansen in seiner Rede zur Eröffnung des Lernzentrums am 22. November 2005. Nach einem Totalumbau präsentiert sich die Werksbücherei mit einer neuen Ausrichtung, wie schon der neue Name Lernzentrum verrät. Das Konzept bezieht sich auf das komplett verwandelte Gebäude, auf das modernisierte Medienangebot und den neuen Beratungsservice für die Besucher. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, so Hansen, dass „durch den raschen Wandel in der Berufswelt Weiterbildung und Eigeninitiative der Mitarbeiter noch stärker gefragt“ sind. Daher sollte die ehemalige Werksbibliothek zu einem innovativen Lernzentrum umgestaltet werden, in dem den BASF-Mitarbeitern neue Möglichkeiten geboten werden, sich eigeninitiativ weiter zu bilden. Qualifizierte Lernberater stehen hierfür interessierten Mitarbeitern unterstützend zur Seite und begleiten sie in ihren Vorhaben.

Ein innovatives Lernkonzept

Die Vorüberlegungen zur Neustrukturierung begannen 2003 und drehten sich anfangs im Schwerpunkt um das Thema Lernen. Mitarbeiter sollten nicht mehr nur Belletristik ausleihen, sondern sich gezielt weiterqualifizieren können. Welches Verständnis von Lernen haben wir? Wie unterstützen wir Lernprozesse? Wie beraten wir für effektive Lernprozesse? – waren Fragen der künftigen Lernberater. Lernen bildete das Herzstück des Projekts. Einen Partner für die Aufgabe fand die Leiterin Dr. Sibylle Altmayer-Weil in der Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Der Auftrag an die Akademie bezog sich konkret darauf, ein innovatives Lernkonzept für die Beratung zu entwickeln und bei der Qualifizierung der Bibliothekare zu Lernberatern mitzuwirken.

Denn, um sich beim Lernen beraten lassen zu können, muss dieses Lernen ein beabsichtigtes Lernen sein.

Ausgehend von dem Ziel, Mitarbeiter und Auszubildende der BASF beim bedarfsgerechten Ausbau ihrer beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu unterstützen, erschien es der Akademie sinnvoll, sich dem Beratungsprozess einerseits und andererseits demjenigen, der den Interessierten berät, zu widmen. Das entwickelte Konzept baut auf der Kombination von Lernen und Beraten sowie dem Ansatz der Subjektbezogenheit auf. Die Berater werden nur auf Initiative des Ratsuchenden, d.h. mit dessen ausdrücklichem Mandat und auch dann nur auf der Basis eines gemeinsam vereinbarten Kontraktes, in dem das Geben und Nehmen sowie die Bedingungen ausgehandelt werden, aktiv.

Lernberatungsprozess und Lernberaterqualifizierung

In den Qualifizierungs-Workshops entwickelten die künftigen Berater mit Unterstützung der Akademie zunächst ein Verständnis und Modell für den Beratungsprozess. Bei der Gruppe entstand nach und nach die Vorstellung, Ratsuchende besonders mittels einer non-direktiven Vorgehensweise individuell beraten zu können. Die Annahme war, dass auf diese Weise am ehesten dem persönlichen Bedarf entgegen gekommen und ein selbstgesteuerter Lernprozess angestoßen wird. Dieser, und das ist ein weiteres Ziel, endet nicht mit der Beratung, sondern läuft idealerweise danach selbstverantwortlich weiter. „Wir wollen es den Mitarbeitern individuell ermöglichen“, erklärt Hansen, „die eigene Weiterentwicklung stärker als bisher in die eigenen Hände zu nehmen. Dabei setzen wir auch auf die Unterstützung durch die Vorgesetzten, indem sie ihre Mitarbeiter ermutigen, sich selbst um Lernberatung und -angebote zu kümmern.“ Mit diesen Überlegungen entwickelten die Lernberater für den Beratungsprozess eine Struktur, die die Phasen der Bedarfsbestimmung, der Zielfestlegung, Planung, Durchführung und (Selbst-)Evaluation beinhaltet.

Mit dieser Etappe war die zehnköpfige Gruppe der künftigen Lernberater parallel zu ihrer Qualifizierung auch in einen Teamentwicklungsprozess eingestiegen. Es ging ihnen dabei darum, ein gemeinsames Selbstverständnis für die Rolle als Lernberater wie sich auch auf eine Vision ihrer Beratungsarbeit zu verständigen.

Auf dem Weg zum Lernberater

Die Struktur des Beratungsprozesses spiegelte den künftigen Beratern die Art der Expertise, über die sie für die Wahrnehmung der Aufgabe verfügen müssen. In den Trainingsworkshops lernten sie, wie sie dem Kunden helfen können, seine Lernziele und –inhalte konkret zu beschreiben und zu strukturieren, seinen Lerntyp zu analysieren, angemessene Lernmethoden und –instrumente auszuwählen, Beratungsgespräche zu führen, individuell zu gestalten und zu evaluieren sowie hinsichtlich geeigneter Qualifizierungsmaßnahmen zu beraten.

Diese Themen wurden in sechs mehrtägigen Workshops bearbeitet und trainiert. Der gesamte Qualifizierungsprozess erstreckte sich über ein Jahr. Zur Sicherung des Transfers führte die Akademie die Arbeit in Praxistandems ein. Die Lernberater nutzten dieses Element, um Beratungsgespräche zu simulieren und um individuelle Fragestellungen bei der Entwicklung von Lernberaterkompetenzen zu bearbeiten. Die ersten Lernberatungen starteten im November 2005. Diese Pilotphase wird in 2006 durch Supervisionssitzungen begleitet.

Beteiligung schafft Verantwortung

Die Vorgehensweise der Akademie, die Lernberater von Anfang an zu beteiligen und gemeinsam mit ihnen ein Trainingskonzept für ihre Qualifizierung zu entwickeln, wählte die Akademie bewusst aus. Sie verband mit dem Lewinschen Organisationsentwicklungs-Prinzip „Betroffene zu beteiligen“ die Intention, dass ein Mittragen und verantwortlich Sein für die komplexe Aufgabe dadurch gewährleistet ist. Gleichzeitig durchläuft der Lernberater einen analogen Prozess, bei dem er seinen eigenen Bedarf hinsichtlich seiner künftigen Lernberatertätigkeit bestimmt, definiert und sich beim Aufbau der gewünschten Kompetenzen Beratung und Unterstützung bei den Trainern der Akademie holt. Im Aufarbeiten des eigenen Prozesses gewinnt er überhaupt erst den Blick für die Besonderheit der Lernberatung. Lernberatung erlebt er selbst als Unterstützungssystem selbstbestimmten Lernens.

... nicht mehr Belletristik

Für die inhaltlichen Lernwünsche der Kunden wurde auch das Medienangebot modernisiert. Thematisch dominieren bei den 5000 Medien Naturwissenschaften, EDV, Fremdsprachen und Management. Eingesehen und ausgeliehen werden können Fachbücher, Fachzeitschriften, Lernsoftware, Hörbücher und Lernspiele. Zu vielen Themengebieten gibt es Lernpakete, die aus verschiedenen Lernmedien zusammengestellt werden. Außerdem kann auf zahlreiche E-Learning-Angebote zugegriffen werden.

 

Lernen – Lernsetting - Lernumgebung

Der Akademie war es wichtig, dass der Umbau und die Neugestaltung des Gebäudes sich am inhaltlichen Konzept orientiert. Die Leiterin des Lernzentrums ließ sich darauf ein und beteiligte an konzeptionellen Projektsitzungen ebenso das Architektenteam.

Die individuell eingerichteten Räume bieten durch die Harmonie der gewählten Formen und Farben eine freundliche und einladende Lernumgebung. So können die Besucher in verschiedenen Entspannungsbereichen den Kopf frei bekommen, um anschließend z.B. im Ambiente einer „englischen Bibliothek“ in Ruhe einen Text zu bearbeiten. Neben Einzelkabinen für konzentriertes Lernen gibt es auch Team-Lernräume für kreatives Arbeiten in der Gruppe. Die Ausstattung mit modernster Technik, wie etwa 20 Notebooks mit Wireless LAN, ermöglicht ein flexibles Arbeiten im ganzen Lernzentrum.

Da Lernen am effektivsten ist, wenn alle Sinne angesprochen werden, finden sich im Lernzentrum außerdem Stationen wie eine Klang-Muschel, in der auditive Medien genutzt werden können sowie eine Felsenoase mit Sitzsteinen und Wasserkugel und eine Ecke „Bewegtes Lernen“. Viele Elemente der Einrichtung sind so flexibel, dass die Raumsituation schnell und unkompliziert an neue Bedingungen angepasst werden kann.

Das Lernzentrum der BASF AG Ludwigshafen ist bislang einmalig in Deutschland. Die Idee verweist darauf, wie betriebliche Aus- und Weiterbildung zukunftsorientiert dem lebenslangen Lernen Schubkraft geben kann. Die Beteiligten der BASF sind überzeugt, dass die Investition Früchte trägt.

Autorin: Dr. Veronika Strittmatter-Haubold

 

Bilder: BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen