Denn, um sich beim Lernen beraten lassen zu können, muss dieses Lernen ein beabsichtigtes Lernen sein.
Ausgehend von dem Ziel, Mitarbeiter und Auszubildende der BASF beim bedarfsgerechten Ausbau ihrer beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu unterstützen, erschien es der Akademie sinnvoll, sich dem Beratungsprozess einerseits und andererseits demjenigen, der den Interessierten berät, zu widmen. Das entwickelte Konzept baut auf der Kombination von Lernen und Beraten sowie dem Ansatz der Subjektbezogenheit auf. Die Berater werden nur auf Initiative des Ratsuchenden, d.h. mit dessen ausdrücklichem Mandat und auch dann nur auf der Basis eines gemeinsam vereinbarten Kontraktes, in dem das Geben und Nehmen sowie die Bedingungen ausgehandelt werden, aktiv.
Lernberatungsprozess und Lernberaterqualifizierung
In den Qualifizierungs-Workshops entwickelten die künftigen Berater mit Unterstützung der Akademie zunächst ein Verständnis und Modell für den Beratungsprozess. Bei der Gruppe entstand nach und nach die Vorstellung, Ratsuchende besonders mittels einer non-direktiven Vorgehensweise individuell beraten zu können. Die Annahme war, dass auf diese Weise am ehesten dem persönlichen Bedarf entgegen gekommen und ein selbstgesteuerter Lernprozess angestoßen wird. Dieser, und das ist ein weiteres Ziel, endet nicht mit der Beratung, sondern läuft idealerweise danach selbstverantwortlich weiter. „Wir wollen es den Mitarbeitern individuell ermöglichen“, erklärt Hansen, „die eigene Weiterentwicklung stärker als bisher in die eigenen Hände zu nehmen. Dabei setzen wir auch auf die Unterstützung durch die Vorgesetzten, indem sie ihre Mitarbeiter ermutigen, sich selbst um Lernberatung und -angebote zu kümmern.“ Mit diesen Überlegungen entwickelten die Lernberater für den Beratungsprozess eine Struktur, die die Phasen der Bedarfsbestimmung, der Zielfestlegung, Planung, Durchführung und (Selbst-)Evaluation beinhaltet.
Mit dieser Etappe war die zehnköpfige Gruppe der künftigen Lernberater parallel zu ihrer Qualifizierung auch in einen Teamentwicklungsprozess eingestiegen. Es ging ihnen dabei darum, ein gemeinsames Selbstverständnis für die Rolle als Lernberater wie sich auch auf eine Vision ihrer Beratungsarbeit zu verständigen.
Auf dem Weg zum Lernberater
Die Struktur des Beratungsprozesses spiegelte den künftigen Beratern die Art der Expertise, über die sie für die Wahrnehmung der Aufgabe verfügen müssen. In den Trainingsworkshops lernten sie, wie sie dem Kunden helfen können, seine Lernziele und –inhalte konkret zu beschreiben und zu strukturieren, seinen Lerntyp zu analysieren, angemessene Lernmethoden und –instrumente auszuwählen, Beratungsgespräche zu führen, individuell zu gestalten und zu evaluieren sowie hinsichtlich geeigneter Qualifizierungsmaßnahmen zu beraten.
Diese Themen wurden in sechs mehrtägigen Workshops bearbeitet und trainiert. Der gesamte Qualifizierungsprozess erstreckte sich über ein Jahr. Zur Sicherung des Transfers führte die Akademie die Arbeit in Praxistandems ein. Die Lernberater nutzten dieses Element, um Beratungsgespräche zu simulieren und um individuelle Fragestellungen bei der Entwicklung von Lernberaterkompetenzen zu bearbeiten. Die ersten Lernberatungen starteten im November 2005. Diese Pilotphase wird in 2006 durch Supervisionssitzungen begleitet.
Beteiligung schafft Verantwortung
Die Vorgehensweise der Akademie, die Lernberater von Anfang an zu beteiligen und gemeinsam mit ihnen ein Trainingskonzept für ihre Qualifizierung zu entwickeln, wählte die Akademie bewusst aus. Sie verband mit dem Lewinschen Organisationsentwicklungs-Prinzip „Betroffene zu beteiligen“ die Intention, dass ein Mittragen und verantwortlich Sein für die komplexe Aufgabe dadurch gewährleistet ist. Gleichzeitig durchläuft der Lernberater einen analogen Prozess, bei dem er seinen eigenen Bedarf hinsichtlich seiner künftigen Lernberatertätigkeit bestimmt, definiert und sich beim Aufbau der gewünschten Kompetenzen Beratung und Unterstützung bei den Trainern der Akademie holt. Im Aufarbeiten des eigenen Prozesses gewinnt er überhaupt erst den Blick für die Besonderheit der Lernberatung. Lernberatung erlebt er selbst als Unterstützungssystem selbstbestimmten Lernens.
... nicht mehr Belletristik
Für die inhaltlichen Lernwünsche der Kunden wurde auch das Medienangebot modernisiert. Thematisch dominieren bei den 5000 Medien Naturwissenschaften, EDV, Fremdsprachen und Management. Eingesehen und ausgeliehen werden können Fachbücher, Fachzeitschriften, Lernsoftware, Hörbücher und Lernspiele. Zu vielen Themengebieten gibt es Lernpakete, die aus verschiedenen Lernmedien zusammengestellt werden. Außerdem kann auf zahlreiche E-Learning-Angebote zugegriffen werden.
